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Auf Ritter Tuschls Spuren: Die Geschichte Saldenburgs

Werkzeugfunde aus dem Mesopaläolithikum (vor ca. 35.000 - 100.000 Jahren) dokumentieren die bereits frühen Formen von menschlichem Leben im Gebiet rund um die Saldenburg. Ausstellungsstücke und Funde hierzu können im Sitzungssaal des Saldenburger Rathauses besichtigt werden.

 

Die eigentliche Geschichte Saldenburgs beginnt aber erst mit ihrer spätmittelalterlichen „Gründungsurkunde“, ausgestellt am 24. Juni 1368 vom damals reichen und mächtigen Grafen von Hals, der Ritter Heinrich Tuschl, dem späteren Erbauer der Saldenburg, ein Lehen „bei dem Gut zu dem Stadl“ verlieh und so den Bau der Ritterveste über dem Saldenburger Waldmeer initiierte. An Schnittstellen bzw. in der Nähe wichtiger Handelsrouten wie etwa dem Goldenen Steig oder der Gulden Strass gelegen und im Blickkontakt mit vielen weiteren Burgen im Umkreis nahm die Saldenburg von Beginn an eine strategisch wichtige Rolle an der Grenze zwischen dem Herzogtum Bayern und dem Hochstift der Fürstbischöfe in Passau ein.


Ritter Heinrich Tuschl selbst aber brachte die Burg den Überlieferungen zufolge nur wenig Glück ein. Zwar hatte er sie nach dem mittelhochdeutschen Wort „saelde“, was soviel heißt wie „Glück“, benannt, doch zur echten Glücksburg wurde sie für ihn nicht. Nur wenige Male verweilte er selbst in Saldenburg, er blieb der Ritter „Allein“. Seine Grabstätte fand er nach einem legendenhaften Leben in Vilshofen, nicht weit von seinem Stammsitz in Söldenau entfernt.

 

Das Schicksal der Burg blieb ebenfalls nicht lange in den Händen der Tuschl. Die Burg mit allen Ländereien wechselte in den folgenden Jahrhunderten immer wieder ihre Besitzer. Geblieben ist jedoch immer die Abhängigkeit der Bevölkerung vom jeweiligen Adelsgeschlecht auf der Saldenburg. Die Bürger zahlten Steuern und leisteten Frondienste, und die jeweilige Herrschaft – ausgestattet mit der niederen Gerichtsbarkeit – bot Schutz und sorgte für Recht und Ordnung.

 

1388 übergaben die Bayerischen Herzöge Stefan, Johann und Friedrich die inzwischen an sie gefallene Saldenburg an das Geschlecht der Fraunberger, welche in den folgenden Jahren ihren Besitz an Burg und Umland wiederum an die Eckher von Eckh abgaben.

 

1442 gelangte Saldenburg in den Besitz der Ortenburger und später durch Heirat an das mächtige Geschlecht der Degenberger. Die Degenberger waren im 15. Jahrhundert federführend im Trutzbund der sogenannten Böckler gegen den Herzog Albrecht IV.

 

1468 zerstörte Herzog Ludwig von Landshut in Amtshilfe für Herzog Albrecht IV. große Teile der Saldenburg. Mit dem mächtigsten Heer der damaligen Zeit war der Herzog angerückt, belagerte die Burg und beschoss diese mit den technischen Errungenschaften dieser Zeit, den Büchsen und Kanonen. Nur der heute noch erhaltene mächtige Wohnturm überlebte diesen Angriff. Die Saldenburg fiel nach dem Sieg des Herzogs wieder an diesen zurück.

 

1479 fiel die Saldenburg wieder an die Ortenburger zurück und verblieb die
nächsten 200 Jahre in der Hand dieses Adelsgeschlechts.

 

1677 kam die Herrschaft Saldenburg mit all ihren Besitzungen an das angesehene Geschlecht der von Preysing. Unter den Grafen von Preysing erwuchs die Saldenburg noch einmal zur vollen Blüte. Die durch Blitzschlag zerstörten Teile des Wohnturmes wurden in reinstem Barock wiederhergestellt, der Rest bleibt unverändert in Gotik.

 

1742 überstand die Saldenburg fast unbeschadet die bayerwaldweiten Zerstörungen durch Trenk den Panduren im Österreichischen Erbfolgekrieg.

 

1803 Die großen Umbildungen im Gerichts- und Verwaltungswesen in Bayern ließen vorerst – so auch bei Saldenburg – die neu gegründeten Gemeinden und die althergebrachten Hofmarken noch nebeneinander existieren.

 

1841 Die Gemeinde Saldenburg befand sich erstmals in voller Selbstverwaltung. Gemeinde und Burgbesitzer gingen ab jetzt eigene Wege. Die Burg wechselte nach und nach an bürgerliche Besitzer und wurde 1926 in äußerst desolatem Zustand vom Bayerischen Staat übernommen.

 

1928 wurde die Saldenburg zu einer der schönsten und meistbesuchten Jugendherbergen des Bayerischen Waldes ausgebaut, die Einweihung erfolgte im Jahr 1929.

 

1933 begannen umfangreiche Straßenarbeiten in Saldenburg. Die Widderanlage zur Burg hinauf wurde errichtet.

 

1939 übernahm Johann Ettlinger aus Mannheim das Gut Saldenburg.

 

1942 bis 1945 wurden Kinder aus Rumänien und Jugoslawien zur Umerziehung in der Burg einquartiert.

 

1954 besuchte Bundespräsident Theodor Heuss Saldenburg.

 

1958 übernahm Robert Vogl (SPD) das Amt des Ersten Bürgermeisters und behielt es bis 1990.

 

1962 wurde in Saldenburg auf Initiative von Franz Graf von Stillfried die Filialkirche zur Heiligen Familie errichtet.

 

1967 wurden große Teile des Gutsbetriebes an die Bayerische Staatsforstverwaltung verkauft. Damit endet endgültig die über 600jährige Guts- und Herrschaftsgeschichte Saldenburgs.

 

1968 erhielt Saldenburg das Wappen mit den Zinnen und der blauen Krone auf goldenem Grund. Zugleich wurde bei einem großen Feldgottesdienst auf dem Burgumfeld das 600jährige Gründungsjubiläum gefeiert.

 

1978 bildeten die Gemeinden Saldenburg und Thurmansbang eine Verwaltungsgemeinschaft. Bereits 1980 wurde diese wieder aufgelöst. Saldenburg ist seit dieser Zeit wieder voll selbstständig.

 

1990 wurde Herbert Gebert (FWG) zum Ersten Bürgermeister der Gemeinde Saldenburg gewählt. In seine Amtszeit fiel der Startschuss für die umfangreichen Arbeiten im Rahmen der Dorferneuerung Saldenburg.

 

2008 übernahm Max König (SPD) das Amt des Ersten Bürgermeisters. Seit 2008 wird die Dorferneuerung fortgeführt und ausgeweitet, die Wasserversorgung erneuert sowie der Breitbandausbau in der Gemeinde durchgeführt. Auch eine Allgemeinärztin konnte für die Gemeinde gewonnen werden.

 

2018 erneuerte ein Symposium auf der Burg die Erinnerung an die mittlerweile über 650jährige Geschichte der Ritterveste.

 

2019 begannen umfangreiche Sanierungsarbeiten an der Burgfassade.


weiterführende Literatur:

Norbert Schrüfer, Die Herrschaft Saldenburg im späten Mittelalter. Das Saldenburger Stiftsbuch aus dem Jahre 1472 (Saldenburg 1995).
Dr. Stefan Hundsrucker, Auf den Spuren von Ritter Tuschl (Saldenburg 2018).

 

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